Jüdische Geschichte in Neuenkirchen

Beate Schrewe, Jahrgang 1942

Beate Schrewe hat sich über viele Jahre intensiv mit der jüdischen Geschichte in Neuenkirchen beschäftigt. Ihr besonderes Anliegen war es, die Erinnerungen und Erfahrungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu bewahren. In diesem Zusammenhang führte sie zahlreiche Interviews und begegnete auch Überlebenden des Holocaust persönlich.

Ein Teil ihrer Recherchen und Gespräche ist in dem Buch „Die Juden der Grafschaft Rietberg“ dokumentiert. Mit ihrer Arbeit hat sie einen wichtigen Beitrag zur lokalen Erinnerungskultur und zur Aufarbeitung der Geschichte geleistet.

Als pensionierte Lehrerin engagierte sie sich darüber hinaus über viele Jahre hinweg ehrenamtlich und war langjährige Vorsitzende des Heimatvereins Neuenkirchen.

Mit ihrem Interview für das digitale Archiv teilt sie ihre Erfahrungen, ihre Beweggründe und ihre persönlichen Begegnungen, und trägt so dazu bei, die Geschichte für kommende Generationen lebendig zu halten.

Das Buch „Die Juden der Grafschaft Rietberg“, herausgegeben vom Heimatverein Neuenkirchen und der Stadt Rietberg (1997), dokumentiert umfassend die Geschichte der jüdischen Gemeinde in der Grafschaft Rietberg, insbesondere in Neuenkirchen.

Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts siedelten sich auf Initiative der Landesherren jüdische Familien in Neuenkirchen an. Es entstand eine Synagogengemeinde, die über fast zwei Jahrhunderte bestand. Das Buch zeichnet ihre wirtschaftliche, religiöse und soziale Entwicklung nach und schildert zugleich Ausgrenzung, Verfolgung, Emigration und Ermordung während der Zeit des Nationalsozialismus.

Ein zentraler Bestandteil des Bandes sind Zeitzeugeninterviews, die in den 1980er-Jahren geführt wurden. Sie vermitteln ein lebendiges Bild des Gemeindelebens sowie der Schicksale einzelner Familien. Ergänzt wird dies durch eine biografische Studie über den Bankier Jakob Löb Eltzbacher, der im 18. Jahrhundert eine bedeutende wirtschaftliche Rolle in der Grafschaft spielte.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Bau- und Nutzungsgeschichte der Neuenkirchener Synagoge, ihrer Zerstörung im Novemberpogrom 1938 sowie der späteren Erinnerungskultur. Ausführlich dokumentiert wird außerdem der jüdische Friedhof mit seinen Grabsteinen, deren Inschriften, Symbolik und kunstgeschichtlicher Bedeutung.

Insgesamt stellt die Publikation eine grundlegende lokalhistorische Aufarbeitung dar und leistet einen wichtigen Beitrag zur Erinnerung an die jüdische Gemeinde der Grafschaft Rietberg.